Das 5-Stufen-Modell des 1920 geborenen Vilém Flusser wird erstmals 1985 in »Ins
Universum der technischen Bilde vorgestellt. Der Kommunikations- und Medienphi
losoph gibt darin einen äußerst komprimierten Überblick über die Kulturgeschicht
e des Menschen bzw. ihrer Entwicklung und wagt zudem einen Blick in die Zukunft.
Ob sich diese Aussichten über 25 Jahre später (was verglichen mit dem betrachte
ten Zeitraum eine äußerst geringe Zahl an Jahren ist) nach wie vor zu bewahrheit
en scheinen oder gar offenkundiger zum Vorschein treten, ist zu untersuchen. A
ufgrund der Allgemeingültigkeit des Modells soll für diese Betrachtung ein konkr
eter Gegenstand gefunden werden, anhand dessen das Modell geprüft wird. Nach Har
ro Gross sei eine Aufgabe der Wissenschaft, den Gegenstand zu definieren. Zu imm
er neuen Definitionen komme es beispielsweise durch neue Kriterien oder ein neue
s Problembewusstsein.1 Diesem Gedanken folgend ist es zwangsläufig notwendig, au
ch Flussers Definitionen auf ihre Aktualität hin zu prüfen. Das scheint gerade u
nter dem Gesichtspunkt, dass Flussers Theorien zu künftigen Entwicklungen durch
die Jahre, die seit seinem Tod vergangen sind, besser eingeschätzt werden können
, sinnvoll. Einige »Prophezeiungen« mögen bereits eingetreten sein, andere schei
nen vom heutigen Standpunkt aus geradezu absurd. Der Gegenstand dieser Untersuch
ung ist die aktuelle Designpraxis. Schwerpunktmäßig wird geprüft werden, ob sich
Design automatisieren lässt. Zunächst soll Flussers Modell »der Kulturgeschich
te und der Entfremdung des Menschen vom Konkreten«,2 das er selbst mit einer Lei
ter vergleicht, die vom Menschen erklommen wird und von Schritt zu Schritt immer
abstrakter wird, kurz erläutert werden. In der ersten Stufe treffen wir den »N
aturmenschen«, der sich in einem vierdimensionalen, konkret erlebbarem Raum bewe
gt. Er ist in der Lage, seine Umgebung zu formen und so Kultur zu erschaffen. Di
e zweite Stufe beherbergt in ihrer Dreidimensionalit Gegenstände, so z.B. Stei
nmesser, die gegriffen und benutzt werden können. Nach Überwindung dieser Stufe
beginnt der Homo sapiens sapiens die Zweidimensionalität zu nutzen. Er beginnt z
u imaginieren und erschafft so in der dritten Stufe erste »traditionelle Bilder«
, konkret: Höhlenmalereien. Ihm ist es damit gelungen, seine Umwelt in Form von
Bildern festzuhalten. Er erschafft Codes, die von anderen entschlüsselt werden k
önnen. Die Bildproduktion hält rund 40.000 Jahre an. Die vierte Stufe birgt eine
neue Art der Vermittlung: Lineare Texte wie z.B. die Bibel. Geschichte wird nun
begriffen, erzählt und mittels Schrift festgehalten.3 Lineare Texte (und damit
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